Niedriglohn

Der Niedriglohn gehört zu den dringenden globalen wirtschaftlichen und sozialen Problemen. Nach der OECD Definition, der sich auch Deutschland angeschlossen hat, versteht man unter Niedriglohn ein Arbeitsentgelt, das deutlich unterhalb von zwei Dritteln des Durchschnittslohns aller Vollzeitbeschäftigten liegt. Mithin liegt der Niedriglohn regelmäßig stark unter dem allgemeinen Tariflohn, und oftmals auch unter dem Existenzminimum. Die daraus resultierenden Probleme sind offensichtlich. Gerade in Ländern, in denen der Niedriglohnsektor wesentlich stärker ausgeprägt als als in Europa - wie etwa den USA - besteht für Arbeitnehmer mit niedrigem Ausbildungsniveau die Notwendigkeit mehr als einen Job auszuüben, um sich den Lebensunterhalt zu erstreiten. Obwohl dieses Problem in Deutschland - und Europa - noch nicht derartige Ausmaße angenommen hat, stellt die Öffentlichkeit doch einen stetig wachsenden Niedriglohnsektor mit einher gehender wachsender Armut der Betroffenen fest.

Probleme ergeben sich allerdings nicht nur für die betroffenen Arbeitnehmer, auch in der Wirtschaft entstehen Schäden. Diese resultieren zunächst aus der fehlenden Kaufkraft der Bevölkerung, die den Profit der Unternehmen minimiert. Denn die steigende Anzahl der im Niedriglohnbereich beschäftigten Arbeitnehmer schlägt sich spürbar auf die Nachfrage nieder. Dies ist nur einleuchtend, da ein Beschäftigter, dessen Arbeitsentgelt als Niedriglohn zu qualifizieren ist, nur selten genug verdient um überhaupt das Existenzminimum zu erreichen. Die verbliebene Leistungsfähigkeit zum Konsum ist also denkbar gering. Daneben verweisen insbesondere Wirtschaftswissenschaftler darauf, dass die in der Vergangenheit hohen Lohnkosten die deutschen Firmen zu Innovationen gezwungen haben, die heute noch die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft sicherstellen. Ein weiteres Problem für die Volkswirtschaft liegt in der sozialen Unterstützung der Niedriglohnbeschäftigten durch den Staat. Denn dieser muss im Rahmen seines Sozialauftrags die soziale Sicherheit der Beschäftigten aufstocken, was in der Praxis durch ein Anheben der niedrigen Löhne auf das Existenzminimum geschieht. Die Kosten hierfür werden aus dem Haushalt getragen und belasten damit vor allem die Staatsfinanzen deutlich.

Mit dem Niedriglohn entstehen auch Probleme, die in der öffentlichen Debatte unter dem Schlagwort der "Altersarmut" diskutiert werden. Denn der niedrige Arbeitslohn bedeutet für die Beschäftigten auch gleichsam niedrige Beiträge für die Rentenversicherung, die naturgemäß in letztlich sehr niedrigen Renten resultieren. Damit überträgt sich das Problem der sozialen Unsicherheit der Beteiligten auf das Alter. Im Ergebnis wird der Staat hier erneut bezuschussen müssen, was im Hinblick auf die finanzielle Entwicklung des Haushalts problematisch werden kann. Daneben spielen auch Gerechtigkeitsaspekte eine wichtige Rolle.

So zahlen die Sozialkassen für Hartz 4 Empfänger immerhin noch 40 Euro (vor 2007: 76 Euro) monatlich in die Rentenkassen ein. Niedriglohnempfänger, die schließlich im Gegensatz zu den Hartz 4 Empfänger berufstätig sind, werden hingegen dieses Einzahlungsniveau nur sehr selten erreichen. Dies führt letztlich auch dazu, dass ein Beschäftigter mit Niedriglohn, der sein gesamtes Leben in die Rentenkasse eingezahlt hat, letztlich weniger Rentenzahlungen erhalten wird, als ein lebenslanger Arbeitslosenhilfen- und Sozialhilfeempfänger.

All diese Probleme entstehen aus Niedriglöhnen. So verdient eine Friseurin bzw. ein Friseur in Westdeutschland nur knapp 5,50 Euro pro Stunden. Weniger verdient etwa das Wach- und Kontrollpersonal, dessen Durchschnittslohn in Westdeutschland bei unter 5,50 Euro pro Stunde liegt. Am Ende dieser Statistik stehen die landwirtschaftlichen Hilfsarbeiter, die bundeseinheitlich einen Stundenlohn von etwa 4,50 Euro erhalten.